33 – Emil und Frauke – Wenn Alkoholismus das Kindeswohl gefährdet

Alkoholismus, fetales Alkoholsyndrom und Kindeswohlgefährdung stehen im Zentrum dieses Falls: Emil und Frauke bekommen zwei Kinder, doch ihre Beziehung ist von einem großen Altersunterschied, Abhängigkeiten, Gewaltvorwürfen und massiven Belastungen geprägt. Während der ältere Sohn Tom beim Vater lebt, bleibt der jüngere Ben zunächst bei der Mutter – bis Jugendamt, Klinik und Gericht immer deutlicher erkennen, dass die Situation nicht mehr tragfähig ist.

In dieser Folge von Salziger Pudding sprechen Aline Strutz und Sebastian Bartoschek über einen Fall, in dem Alkoholmissbrauch nicht offen benannt, sondern immer wieder verschleiert wird. Es geht um Promillewerte, die kaum noch vorstellbar sind, um die Frage, wie man Alkoholprobleme überhaupt diagnostisch greifen kann, und um den Verdacht auf fetales Alkoholsyndrom.

Zugleich zeigt der Fall, wie schwierig familiengerichtliche Entscheidungen werden, wenn beide Eltern auf sehr unterschiedliche Weise problematisch erscheinen: eine Mutter, die Hilfe formal annimmt, sich aber entzieht; ein Vater, der versorgen kann, aber durch Starrheit, Konflikte und mangelnde Kooperation auffällt.

32 – Leon und Mila – Wenn aus Alltagskonflikten ein Sorgerechtsgutachten wird

Leon und Mila stehen im Mittelpunkt eines familiengerichtlichen Falls aus Oberhausen, der im Vergleich zu vielen anderen besprochenen Fällen zunächst erstaunlich unspektakulär wirkt. Nach der Trennung ihrer Eltern leben beide Kinder überwiegend bei der Mutter, während der Vater regelmäßigen Umgang hat. Mit der Zeit verschlechtert sich jedoch die Kommunikation zwischen den Eltern zunehmend. Aus alltäglichen Differenzen entstehen Vorwürfe über Hygiene, Kleidung, Medikamentengabe, Tagesstruktur und Erziehungsstil. Der Vater beantragt schließlich eine Veränderung der Sorgerechtsregelung.

Im Podcast wird nachvollziehbar dargestellt, wie ein familienpsychologisches Gutachten in einem solchen Fall konkret aufgebaut ist. Besprochen werden Gespräche mit beiden Eltern, die Einbeziehung des Jugendamts, einer sozialpädagogischen Familienhilfe, therapeutischer Fachkräfte und der Kinderärztin sowie der Einsatz psychologischer Verfahren. Besonders deutlich wird, dass nicht jeder gerichtliche Streit automatisch auf eine Kindeswohlgefährdung hindeutet. Gerade in diesem Fall zeigt die Auswertung der medizinischen Unterlagen, dass viele Vorwürfe sich nicht erhärten lassen und eher Ausdruck eines eskalierten Trennungskonflikts sind.

Sebastian erläutert außerdem anschaulich, wie mit Kindern im Begutachtungskontext gearbeitet wird, warum Spielmaterial nicht projektiv gedeutet wird und welche Rolle der Kindeswille in unterschiedlichen Altersstufen spielt. Deutlich wird auch, wie sehr die Interpretation alltäglicher Unterschiede zwischen Eltern vom jeweiligen Blickwinkel abhängt: Während der Vater mehr Struktur bietet, reagiert die Mutter flexibler auf Veränderungen. Beides bewegt sich jedoch nach Einschätzung des Gutachtens im normalen Bereich.

Am Ende steht keine dramatische Wendung, sondern eine eher klassische familienrechtliche Lösung: Die gemeinsame elterliche Sorge bleibt bestehen, der Lebensmittelpunkt der Kinder verbleibt bei der Mutter, und der Umgang soll möglichst umfangreich gestaltet werden. Die Folge zeigt damit, wie wichtig Kontinuität, Förderaspekte und Kindeswille in der familiengerichtlichen Praxis sind – und dass auch scheinbar „harmlose“ Fälle komplexe Abwägungen erfordern.

Folge 30 – Noah – Zwischen Dortmund und San Diego


Noah ist neun Jahre alt, als seine Mutter beschließt, mit ihm in die USA auszuwandern – zu einem neuen Partner, einem luxuriösen Leben und vermeintlich besseren Chancen. Doch sein Vater widerspricht. Was folgt, ist ein hochkonflikthafter Sorgerechtsstreit zwischen Deutschland und Amerika, geprägt von gegenseitigen Vorwürfen, kulturellen Unterschieden und der Frage: Was ist wirklich das Beste für ein Kind? In dieser Folge sprechen wir über ein internationales Umgangsverfahren, die Risiken einer möglichen Kindesentführung ins Ausland, die Bedeutung sozialer Bindungen und wie psychologische Gutachten bei solchen Entscheidungen helfen können. Ein Fall über Loyalität, Kontinuität und die schwierige Abwägung zwischen familiären Chancen und emotionaler Sicherheit.

27 – Drei Städte, zwei Eltern, ein überfordertes System

Ein Umzug ist selten nur ein Umzug. Im Fall der kleinen Summer wird er zum juristischen Werkzeug. Nach der Trennung verschieben sich Lebensmittelpunkte zwischen Dortmund, Marl und dem geplanten Ziel Oberhausen. Meldeadresse, Kindergartenplatz und einstweilige Anordnung werden zu Mitteln, um Entscheidungen zu erzwingen, während ein Kind zwischen Autositz, Abschiedsszenen und Wochenintervallen pendelt.

Aline und Sebastian sprechen über gemeinsame Sorge, die Grenzen elterlicher Alleingänge, die psychologischen Folgen zu langer Wechselintervalle bei Kleinkindern und die Frage, warum gut gemeinte Lösungen manchmal mehr Schaden anrichten als offener Streit.

Diese Folge zeigt, wie schnell Logistik zu Macht wird, warum Rituale wichtiger sind als Kilometer und weshalb Gerichte oft nicht das eigentliche Problem lösen können. Es geht um Verantwortung, um Kontrolle – und um ein Kind, das sehr genau weiß, wie viele Nächte zu viel sind.

23 – Frau Albrecht: Keine schlechte Mutter

Kind direkt nach der Geburt in Obhut genommen wurde – und die am Ende selbst erkennt, dass sie (noch) nicht bereit ist, Mutter zu sein. Wir sprechen über Mutter-Kind-Einrichtungen, juristische Konstruktionen rund um die Inobhutnahme, praktische Lücken bei Vollmachten und über den gesellschaftlichen Druck, der auf Müttern lastet.

Ab wann darf man sagen: Ich kann das nicht? Warum fällt es Frauen schwerer, sich von der Mutterrolle zu lösen – und was haben Großmütter, Grundgesetz und Gesellschaft damit zu tun?

Ein Fall, der ans Eingemachte geht – psychologisch, juristisch und menschlich.

Sebastian und Aline diskutieren dabei nicht nur über Beratung, Rollenbilder und Rückführungsrisiken, sondern auch über Verantwortung ohne Schuld.