27 – Drei Städte, zwei Eltern, ein überfordertes System

Ein Umzug ist selten nur ein Umzug. Im Fall der kleinen Summer wird er zum juristischen Werkzeug. Nach der Trennung verschieben sich Lebensmittelpunkte zwischen Dortmund, Marl und dem geplanten Ziel Oberhausen. Meldeadresse, Kindergartenplatz und einstweilige Anordnung werden zu Mitteln, um Entscheidungen zu erzwingen, während ein Kind zwischen Autositz, Abschiedsszenen und Wochenintervallen pendelt.

Aline und Sebastian sprechen über gemeinsame Sorge, die Grenzen elterlicher Alleingänge, die psychologischen Folgen zu langer Wechselintervalle bei Kleinkindern und die Frage, warum gut gemeinte Lösungen manchmal mehr Schaden anrichten als offener Streit.

Diese Folge zeigt, wie schnell Logistik zu Macht wird, warum Rituale wichtiger sind als Kilometer und weshalb Gerichte oft nicht das eigentliche Problem lösen können. Es geht um Verantwortung, um Kontrolle – und um ein Kind, das sehr genau weiß, wie viele Nächte zu viel sind.

Recap 2 – Von Feedback bis Fristen: Gewaltschutz, Ehewohnung, Gebührenlogik


Recap-Zeit: In dieser zweiten Rückblickfolge sammeln wir eure Zuschriften ein, sortieren die Highlights der letzten Episoden und räumen ein paar Dinge gerade. Besonders oft kam die Frage: Dürfen Mütter sagen, dass sie nicht mehr können – und warum triggert das so viele? Außerdem klären wir Grundlagen, die im normalen Folgenlauf schnell zu kurz kommen: Was genau ist eine Wohnungszuweisung (Polizei, Gewaltschutz, Ehewohnung) und welche Fristen hängen daran? Wir sprechen über Verfahrenswerte und warum die Zahlen im Termin nichts mit „Geldregen“ zu tun haben, sondern mit Gebührenlogik. Dazu gibt’s Updates aus der Praxis (u. a. Dolmetscherkosten beim Verfahrensbeistand), einen kleinen Rant über Unzuverlässigkeit bei Terminen – und zum Schluss noch Serienfutter für die Feiertage.

26 – Lea: Zwischen Vater, Großeltern und Jugendamt

2016 in Soest: Fünf Geschwister verlieren ihre Mutter nach einem plötzlichen Hirnaneurysma. Der Vater, von Unfallfolgen, Depression und Schmerzen geprägt, verweigert Hilfen und unterschätzt die besonderen Förderbedarfe der Kinder. Die Großeltern aus einer freikirchlichen Großfamilie wirken äußerlich fremd, im Alltag aber stabil, kooperativ und trauerfähig. Ein Gutachten muss klären: Liegt beim Vater eine Kindeswohlgefährdung vor, welche Maßnahmen wären nötig – und erst dann: ist ein Verbleib bei den Großeltern besser? Dazu kommt die heikle Frage, wie neutral man bleibt, wenn Sympathie und Irritation mit am Tisch sitzen.

25 – Sascha: „Mein Vater hat mich geschlagen.“


„Mein Vater hat mich geschlagen.“ Mit diesem Satz bringt Sascha seinen Klassenlehrer aus dem Konzept – und setzt eine Kette in Gang, die Jugendamt, Gericht und Gutachter beschäftigt. Das Gesicht des Jungen ist gezeichnet, die Eltern sprechen von einem Handballunfall, der Vater weist jede Verantwortung von sich, die Mutter zieht sich in ihre eigene Wirklichkeit zurück. Ein rechtsmedizinisches Gutachten bestätigt elf gezielte Schläge, während Sascha nur eines will: dass endlich die Wahrheit ausgesprochen wird. Sebastian und Aline sprechen darüber, wie Loyalität Kinder zum Schweigen bringt, warum Wahrnehmungsverzerrungen so gefährlich sind und wieso Schutz manchmal bedeutet, ein Kind dauerhaft aus seiner Familie zu lösen.

24 – Jule: Tod in der Ruhr oder auf dem Dachboden?

Ein leerer Rucksack an der Ruhr, eine verschwundene Dreizehnjährige und eine Mutter, die mit ihrer Tochter sogar den eigenen Tod inszeniert: In dieser Folge erzählen Sebastian Bartoschek und Aline Strutz den Fall Jule, Jahrgang 2001 aus Bochum, deren Kindheit zwischen vermüllter Wohnung, überforderter Mutter und immer neuen Jugendamtsmeldungen zerrieben wird. Mehrfach wird Jule in Obhut genommen, droht mit Suizid, versteckt sich schließlich auf dem Dachboden, während alle an das Schlimmste glauben. Sebastian blickt auf Parentifizierung, symbiotische Beziehungen und die Grenze, an der der Kindeswille hinter dem Kindeswohl zurückstehen muss. Aline ordnet ein, was Gerichte und Jugendämter in solchen Verfahren leisten können – und wo das System Kinder und Fachkräfte gefährlich lange im Kreis drehen lässt.